"Der Lungau kommt gleich nach dem Himmel"

Hofgeschichten, 10.11.2017, Eva Krallinger-Gruber

Es ist wie Magie: Egal wie viele Wolken im Rest von Salzburg den Himmel verdecken, im Lungau ist es immer schön. Hans Schitter wundert das nicht. „Den Himmel habe ich noch nie gesehen, den hat noch niemand gesehen. Aber man sagt, dass die Vorstation dazu der Lungau ist“ lacht er. Es ist also keine Überraschung, dass sein Bauernhof ausgerechnet auf diesem vom Wetter gesegneten Fleck Erde im Salzburger Land liegt. Gemeinsam mit seiner Frau Heidi betreibt Hans Urlaub am Bauernhof auf seinem Tonibauer-Hof.

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Margarite, Blumenwiese, Tonibauer in Tamsweg, Salzburger Lungau | © Urlaub am Bauernhof Salzburger Land / Matthias Gruber

Wir sitzen vor dem Haus, auf einem Holztisch und ein schattiger Baum spendet uns Schatten. Hans hat den Hof von seinem Vater übernommen. „Gäste waren immer schon da, auch meine Eltern haben Zimmer vermietet“, erzählt er. „Wir haben aber gemerkt, dass man auch am Bauernhof mit der Zeit gehen muss“, sagt Hans. Also haben seine Frau und er Fortbildungen besucht und überlegt, was sie mit ihrem Hof anstellen wollen.

Wellness am Bauernhof

Im Rahmen einer Schulung sollte Heidi die Potenziale ihres Hofes erkennen und ausarbeiten. „Als ich mit meinem Konzept für einen großzügigen Wellnessbereich auf unserem Hof nach Hause gekommen bin, hat Hans zuerst nicht recht gewusst, ob er mir den Vogel zeigen soll“, erzählt Heidi von den Anfängen. Weil Hans seiner Frau aber keinen Wunsch abschlagen kann und auch selbst sehr schnell von den Vorteilen eines eigenen Wellness-Bereiches überzeugt war, wurde umgebaut. Die Sauna, ein Hot Pot und ein kleiner Ruhebereich: Das alles ist im Übernachtungspreis beim Tonibauern inkludiert und kommt bei den Gästen richtig gut an. Oft sitzen sie im ‚Tonibauer-Spa‘ zusammen, mit einem Drink in der Hand und lernen sich kennen. Vor allem im Winter, nach einem langen Skitag, kommt die Wärme gerade recht.

Ausreichend Platz war für Heidi und Hans ein Muss. Und davon gibt es im Lungau genug. Zum einen in der Natur des UNESCO-Biosphärenparks, mit den vielen Bergen, Seen und Almen. Zum anderen am Urlaub am Bauernhof-Betrieb selbst. „Unsere drei Ferienwohnungen haben alle zwischen 80 bis 100 m2 Platz. Für manche Gäste ist das mehr, als sie zuhause haben. Da lässt es sich entspannt urlauben.“ Aber nicht nur der Platz trägt zur Entspannung bei: Viele Teile der Inneneinrichtung sind aus Zirbe gezimmert. Die Zirbe ist ein sehr wertvoller Baum, ihr Holz wirkt beruhigend auf den menschlichen Körper und hilft nachweislich in der Nacht dabei, den Herzschlag zu verlangsamen. Schläft man in einem der Zirbenbetten bei Hans und Heidi, ist man in der Früh fitter und besser ausgeruht.

Die beiden Gastgeber überlassen nichts dem Zufall, wenn es ums Wohlergehen ihrer Gäste geht. Um herauszufinden, ob die Unterkünfte perfekt für den Urlaub geeignet sind, haben die beiden alle Zimmer selbst getestet und sind für eine kurze Zeit in jede der drei Ferienwohnungen eingezogen, um Probleme selbst zu entdecken und sofort auszumerzen. Man merkt: Beim Tonibauern nimmt man es mit dem Wohl der Gäste besonders ernst. Und deshalb kommen diese immer wieder zurück.

Der Lungau und seine schöne Seiten

Hans ist von Grund auf ein positiver Mensch. Seine Freundlichkeit hat etwas Ansteckendes. Und die Leidenschaft, mit der er und seine Frau über ihren Betrieb erzählen, ebenfalls. Übrigens: Hans und Heidi betreiben in der Nähe ihres Hofes eine richtige Almhütte. Diese befindet sich auf der Oberen Tonibauer-Alm, gut 25 Autominuten vom Bauernhof entfernt. In der urigen Hütte geht es zu wie früher. Dort oben, weit weg vom Lärm der Großstadt hat Hans sogar einen Hot Pot gebaut. Das ist eine große Holzwanne, in die man heißes Wasser fließen lässt. „Sitzt man drinnen, reicht einem das warme Wasser bis zum Hals, während man gemütlich ein Glas Wein oder ein Bier trinkt“, lacht Hans. Und die Gäste lieben es. Heidi erzählt von den Stammgästen, die jedes Jahr wieder die Hütte mieten und dort zwischen zwei bis drei Wochen ihren verdienten Urlaub verbringen. Darunter sind auch Studenten aus Wien. „Wir hätten uns nie gedacht, dass so ein Urlaub für Studenten interessant wäre“, erzählt Heidi von ihrer anfänglichen Verwunderung. Aber sie kommen immer wieder auf unsere Alm, also muss es ihnen ja gefallen.

Im Lungau, das stellen wir fest, ist es schwer, griesgrämig zu sein. Die Natur ist satt an Farben, Tiere sind überall. Der Himmel scheint sehr nahe. Vielleicht aber nur, weil wir so hoch oben sind. Wir stoßen mit Hans und Heidi an, ein selbstgemachter Zirbenschnaps muss es sein.

Dann fragen wir sie, was sie eigentlich machen, wenn sie frei haben und was man auf keinen Fall verpassen darf, wenn man im Lungau unterwegs ist. Wie aus der Pistole geschossen nennen die beiden das „Preberschießen“ am Prebersee. Der See ist ein Naturphänomen der besonderen Sorte. Aufgrund der Wasserdichte und Zusammensetzung können geübte Schützen auf die Spiegelung der Zielscheibe im See schießen, wo die Kugel abprallt und schief auf der tatsächlichen Zielscheibe einfährt. „Sogar im Disneyland wollten sie den Prebersee nachbauen, das haben sie dann aber nicht geschafft“, lacht Hans. So einfach lässt sich der Lungau dann doch nicht kopieren. Nicht der Prebersee und nicht die Skipisten, die vom Tonibauer gut erreichbar sind. Weil der Hof sehr zentral an der Bundesstraße gelegen ist, erreicht man den Katschberg oder den Obertauern in weniger als 30 Minuten. Das gleiche gilt selbstverständlich für die Wandergebiete. Am Tonibauerhof sammelt man seit vielen Jahrzehnten Erfahrungen mit Gästen und mit Urlaub am Bauernhof. Früher die Eltern, jetzt Heidi und Hans und wenn alles seinen Gang geht, dann in Zukunft eines ihrer drei Kinder. Innovation gehört auf jeden Fall zum Konzept dazu. Aber das ist nicht alles, denn: Ein Bauernhof steht und fällt mit der Liebe, die in ihn gesteckt wird. Schön, dass Heidi und Hans davon mehr als genug haben.

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Eva Krallinger-Gruber
fraeuleinflora.at, 18 Artikel
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