Die Schuhe, die im Winter für mich die Welt bedeuten

Naturerlebnisse, 05.01.2021, Margret Appesbacher

Es ist ein hartnäckiges, international weit verbreitetes Gerücht, dass wir Österreicher quasi schon mit Skiern geboren werden. Wenn ich mich dann immer wieder erwische, wie ich versuche, das richtig zu stellen, stoße ich nur auf Unverständnis.

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Winterlandschaft auf der Postalm | © Margret Appesbacher

Ja, ich gestehe: ich bin Salzburgerin und kann nicht Skifahren. Fehler in der kindlichen Früherziehung? Auch nicht wirklich. Meinen Eltern kann ich da nichts vorwerfen, sie haben uns Kinder entsprechend ausgestattet und zum Skikurs geschickt. In Ermangelung eines Skilifts gleich nebenan haben wir mit Unterstützung der Nachbarkinder am Hang hinter dem Haus unsere eigene Piste angelegt, mit kleinen und großen Schaufeln Schanzen gebaut, sogar der eine oder andere kleine Baum musste den Pistenbauarbeiten weichen. Während meine beiden großen Brüder erst begeisterte Skifahrer und später noch begeistertere Skitourengeher wurden, ist der Funke bei mir nicht so richtig übergesprungen. Die Faszination lag für mich eher im Pistenbau als im Runterwedeln. So habe ich noch zu Schulzeiten meine aktive Skikarriere beendet und muss mich noch heute regelmäßig dafür rechtfertigen.

Und doch irgendwie typisch österreichisch

Im Gegensatz zum Skifahren hat mich dann eine andere typisch österreichische Leidenschaft gepackt: die Berge. 30 Jahre lang habe ich mir die Berge von unten angeschaut, dann wollte ich plötzlich auch rauf. Nachdem nach der ersten intensiven Bergsaison der erste Schneefall die Gipfel meiner Heimat für mich quasi unerreichbar gemacht hatte, musste eine Alternative her. Es war dann der Schuhberater meines Vertrauens aus dem Sportgeschäft meines Vertrauens, der mir die breiten Treter ans Herz gelegt hat.

Aller Anfang ist … einfach!

Nach einer Übungsrunde mit Leih-Schneeschuhen unter den hämischen Blicken der Verwandtschaft am Skihang meiner Kindheit gleich hinterm Haus war für mich klar, dass ich mehr will. Die erste Schneeschuhtour musste her. Die Wahl fiel auf einen moderaten Hügel in der Nachbarschaft, auf den es mich auch im Sommer immer wieder zieht: nicht zu hoch, nicht zu steil, nicht lawinengefährlich und möglichst wenig Publikum, falls ich doch mal auf die Nase falle, weil ich den breitspurigen John-Wayne-Gang noch nicht ganz verinnerlicht habe. Dabei war diese Sorge unbegründet. Glaubt mir, wirklich jeder, der Lust hat, sich im Schnee zu bewegen, kann Schneeschuhwandern. Und das auf Anhieb!

Der Weg ist das Ziel

Heute, fünf Jahre später, kann ich mir einen Winter ohne Schneeschuhwanderungen überhaupt nicht mehr vorstellen. Dass es nicht immer darum geht, einen spektakulären Gipfel zu erreichen, ist mir auch schnell klargeworden. Während sich vor den Skiliften die langen Warteschlangen bilden und die Skitourengeher wie in Ameisenstraßen die Berge hochwälzen, wähle ich mir gern eine Route, auf der ich ganz allein bin.

Wenn ich durch die tief verschneite Landschaft stapfe, höre ich nur das Knirschen des Schnees unter meinen Schneeschuhen, lasse die Schnee- und Eisskulpturen, die Wind und Kälte geschaffen haben, auf mich wirken und folge mit dem Blick den Spuren der scheuen Waldbewohner, die diese in der sonst unberührten Schneedecke hinterlassen haben. Ich habe für mich noch nichts gefunden, was Stress und Alltagsthemen schneller vergessen lässt und dazu auch noch den Kreislauf in Schwung bringt und Muskeln trainiert, deren Existenz einem erst durch den Muskelkater am Tag danach bewusst wird.

Für Genießer, Individualisten und alle, die einfach mal allein sein wollen

Wenn ihr also auch mal raus wollt und keine Lust auf Pistengewimmel habt, kann ich euch nur ans Herz legen, den breiten Tretern eine Chance zu geben. Euch erwartet jede Menge Ruhe, klare Winterluft in der Lunge, wunderschöne Aussichten und viel Zeit, um den Gedanken freien Lauf zu lassen. Und Schneeschuhwandern kann man wirklich überall, wo es Schnee und Landschaft gibt. Im SalzburgerLand gibt es von beidem definitiv ausreichend!

 

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Margret Appesbacher
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