Hofleben mit Seeblick

Hofgeschichten, 26.08.2021, Sabine Ertl

Am Innauer Hof fühlen sich Mensch und Tier gleichermaßen wohl. Hoch über dem Bodensee gelegen, haben junge und erwachsene Gäste genügend Platz, um zu faulenzen oder bei der täglichen Arbeit mitzuhelfen, um mehr über den Kreislauf der Landwirtschaft zu erfahren.

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Bild von oben vom Hof mit Wohnhaus und Umgebung  | © Daniel Gollner | Urlaub am Bauernhof

„Bei uns gibt es keine landwirtschaftliche Show zu sehen, bei uns erlebt man die Realität“, so Betriebsführerin Caprice Innauer. Sie lernte ihren Mann und Hoferben Stefan 2014 auf einem Fest kennen. Sie – weitgereiste Karrierefrau im Managementbereich. Er – bodenständig und seit Kindestagen an mit dem heimischen Bauernhof verwurzelt. „Meine Freundinnen haben mich immer ausgelacht, wenn ich ihnen erzählt habe, dass mein heimlicher Traum eigentlich ein kleiner Bauernhof war. Alle waren sich einig, dass die Chance, einen Landwirt kennenzulernen für mich gleich Null sei“, erzählt die heutige Biobäuerin. Nachdem Caprice von Stefan jedoch begeistert war und umgekehrt, lud er sie kurzerhand auf den elterlichen Hof ein. „Das erste Mal, als ich den Weg zum Hof hochfuhr, dachte ich noch, ich hätte mich trotz Navi komplett verfahren, denn da kam einfach nichts mehr. Als ich dann Stefan und den Hof endlich in dieser wunderbaren Idylle über dem Bodensee erblickt habe, war klar, das ist es – für immer.“

Bunt gemischte Tierwelt

Hier würde sie Wurzeln schlagen, dachte sie. Und das tat Caprice: Tauschte Businesskleid gegen Gummistiefel und machte Nägel mit Köpfen. Gemeinsam mit Stefan übernahmen die beiden zwei Jahre später den Hof, das Familienglück mit den zwei Kindern Lou und Eve ließ nicht lange auf sich warten. Vermietet wird am Innauer Hof schon seit 30 Jahren, seit Anbeginn der Initiative Urlaub am Bauernhof. Eine Ferienwohnung war es über lange Zeit, im vergangenen Jahr wurde eine zweite eingerichtet. Der Betrieb selbst wurde von den beiden komplett umstrukturiert: Zehn Milchkühe zogen aus, dafür Galloway-Rinder ein, zudem setzt man auf Legehennen, Masthühner und Enten. Auf die Art der Bewirtschaftung dürfen beide zurecht stolz sein: „Für unsere artgerechte und liebevolle Tierhaltung wurden wir 2018 mit dem Vorarlberger Tierschutzpreis ausgezeichnet.“

Hier hat Qualität Priorität

Die Produkte werden von Caprice und Stefan selbst vermarktet. Ob Fleisch vom Galloway-Rind, Huhn und Ente, oder Freiland-Eier und Süßmost von den Früchten der 40 eigenen Obstbäume, bei jedem Produkt steht ganz klar die Qualität im Vordergrund. Zudem verkauft die Familie Brennholz aus dem eigenen, Wald. „Wichtig ist, dass der Konsument beim Einkauf auf Regionalität und Herkunft achtet. Die bewusste Entscheidung für heimisches, hochwertiges Fleisch ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.“

Mit Herz und Leidenschaft

Am Innauer Hof fühlt sich Caprice endlich angekommen. „Ich habe viele Eindrücke aus der Welt mitbekommen, aber bin immer wieder gerne heimgekehrt. Im Managementberuf war ich Stress und Druck inmitten einer Leistungsgesellschaft ausgesetzt, wo viel Schein statt Sein vorherrschte. Heute arbeite ich bestimmt nicht weniger, aber es ist eine andere Art von Arbeit. Was wir tun, tun wir von ganzem Herzen und mit viel Engagement. Wer nicht gerne in der Landwirtschaft arbeitet, der sollte es auch nicht machen. Herz und Leidenschaft spielen eine große Rolle.“ Und dass hier beides am rechten Fleck ist, dies spürt man am Innauer Hof in wahrlich jeder Ecke.

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Sabine Ertl
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