Wild auf Wild

Hofgeschichten, 01.09.2022, Urlaub am Bauernhof Oberösterreich

Edel und erhaben ist das Rotwild auf dem Bauernhof Singerskogel in Spital am Pyhrn im südlichen Oberösterreich. In der hofeigenen Jausenstation am Rande des Nationalparks Kalkalpen werden feinste Wildspezialitäten serviert. 

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Rotwild | © Urlaub am Bauernhof Oberösterreich / Harald Puchegger

Edel, erhaben und scheu

Erhaben und doch etwas scheu – so könnte man das Rotwild im Gehege von Andrea und Pepi Kreutzhuber am Singerskogel beschreiben. Sobald Pepi die Glocke läutet, kommen die Tiere herangelaufen. Die Glocke ist das Signal, dass es Futter gibt. Auf über 4 ha Fläche können sich die Wildtiere ausbreiten. Da kann es schon etwas dauern, bis alle beim Futterplatz sind. Es ist, wie so oft am Bauernhof: Tiere lehren uns Geduld. „Das Rotwild ist ein typisches Rudeltier“, erzählt Pepi. Die Jüngeren werden immer von den Älteren beschützt. Die Hirschkühe kümmern sich liebevoll um ihre Hirschkälber. Die kleinen Tiere sieht man kaum, da sie – stets begleitet von ihrer Hirschmama – den Kontakt mit Menschen meiden. Keine Streicheltiere, also. Scheu sind sie, diese Wildtiere.

 „Man muss schon sagen: Hirsch Heli, der ältere der beiden Hirsche, ist schon ein mächtiges Kaliber!“

Bauer Pepi vom Singerskogel

Wie passt Wild zum Bauernhof?

Es war purer Zufall, der die Bauersleute Andrea und Pepi auf die Idee brachte, Rotwild zu halten. Eine Autofahrt, ein Wildgehege am Straßenrand, ein Besitzer, der ein neues Zuhause für seine Tiere suchte – und ein Ehepaar, das immer auf der Suche nach neuen, ungewöhnlichen Ideen ist. Die Übersiedlung der Paarhufer war aber alles andere als einfach. „Wild.“ Wie der Name schon sagt, sind diese Tiere Transport und Übersiedelung alles andere als gewohnt. Der Singerskogel wurde dennoch schnell zu einem artgerechten Lebensraum für rund 30 Stück Rotwild. Mitten in der Nationalparkregion Kalkalpen, eingebettet zwischen den Gipfeln des Toten Gebirges und Sengsengebirges, wachsen die Tiere heran. Sie Tiere fressen schmackhaftes Heu von den hofeigenen Wiesen, Gärheu sowie etwas Silage und Getreideschrot. Sie verwerten auch den sogenannten Mosttreber, der beim Mostpressen übrigbleibt. Ein Leckstein aus Salz liefert ihnen außerdem wertvolle Mineralstoffe.

Andrea und Pepi lieben ihre besonderen Tiere. Ihr Rotwild leistet einen wesentlichen Beitrag zur Landschaftspflege. Der eingezäunte Grund besteht aus feuchten Wiesenabschnitten, steilen Hängen und Waldflächen. Diese Flächen mit Maschinen zu bewirtschaften, wäre eine sehr zeitintensive Angelegenheit. So werden die Mäharbeiten dem Wild überlassen. Ganz nebenbei ist der Pflanzenreichtum beachtlich. Ampfer (oder „Scheißblotschn“, wie man hier in der Region sagt) sieht man kaum.

Es ist Brunftzeit am Bauernhof!

Zwei prächtige Hirsche sorgen für die Nachzucht im Gehege. Mitte September beginnt die klangvolle Paarungszeit. Die sogenannte Brunft dauert zirka 14 Tage und ist kaum zu überhören. Die Hirsche sind in dieser Zeit auf der Suche nach einem passenden Weibchen und buhlen lautstark um deren Gunst. „Man muss schon sagen: Hirsch Heli, der ältere der beiden Hirsche, ist schon ein mächtiges Kaliber“, lacht Pepi. Heli befindet sich im sechsten Kopf. Das heißt, dass er im Frühling bereits fünf Mal das Geweih abgeworfen hat und nun das sechste Prachtexemplar auf seinem Haupt heranwächst. Im Grunde werden stets zwei Hirsche im Rudel gehalten. Einer ist der Chef, der zweite, der jüngere, muss schon mal zurückstecken. Die jungen Spießer, die im Vorjahr geboren wurden, werden meist aus dem Gehege herausgenommen. Sie könnten zur Gefahr für die ältere Generation werden. Ein ständiger Wechsel ist aber notwendig, um die Nachzucht im Einklang zu halten.

Feines Wildfleisch in der Jausenstation

Das Fleisch ihres Rotwildes verarbeiten Andrea und Pepi direkt auf ihrem Bauernhof. Der Metzger aus dem Dorf unterstützt das Paar bei der Veredelung der Produkte. Ausreichend Bewegung und frisches Futter sorgt für eine exzellente Fleischqualität. „Ernährungsphysiologisch gesehen ist Wildfleisch ein hervorragender Nährstofflieferant. Es besitzt eine hohe Nährstoffdichte bei gleichzeitig geringem Energiegehalt. Das Fleisch enthält besonders wertvolles Protein, Eisen und Zink. Mitunter zeichnet es sich durch einen geringen Fettgehalt, aber einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren aus“, erklärt Katrin Fischer, Ernährungsreferentin der LK OÖ. Gäste am Bauernhof und in der Jausenstation Singerskogel können sich davon selbst überzeugen.

Wusstest du, dass der Rothirsch eines der größten freilebenden Wildtiere in Mitteleuropa ist? Er kann bis zu 2 m lang und 350 kg schwer werden.

Jägersprache – ein Schnellkurs

  • Abäsen – das Fressen von Pflanzen durch Wild
  • Brunft – Paarungszeit im September und Oktober
  • Büchse – Jagdwaffe
  • Im vierten Kopf – ein Hirsch, der sein Geweih bereits drei Mal abgeworfen hat (immer im Frühjahr) und nun sein viertes Geweih trägt
  • Hirschkuh – weibliches Rotwild (nicht zu verwechseln mit einem Reh, einer eigenen Tierart)
  • Lichter – Augen 
  • Mönch – ein Hirsch ohne Geweih
  • Schachtel – Hirschkuh, die nicht mehr im gebärfähigen Alter ist (daher der Ausdruck „alte Schachtel“)
  • Spiegel – der Haarkranz rund um das Hinterteil beim Reh oder Hirsch, der auffällig anders gefärbt ist
  • Spießer – junge Hirsche, die im Vorjahr geboren wurden
  • Waidmann – Jäger (daher auch „Waidmannssprache“)
  • Waidmannsheil – Ausspruch zur Begrüßung, Verabschiedung oder Gratulation unter Jägern
  • Wildbret - das zum Verzehr bestimmte Fleisch von erlegtem Wild (umgangssprachlich „Wildfleisch“)

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