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Hofgeschichten, 24.08.2021, Sabine Ertl

Am Peiserhof in Eibiswald finden sich die Wurzeln von Urlaub am Bauernhof. Denn Maria Strohmeier war es, die sich als erstes Mitglied dem Unternehmen anschloss. Eine Geschichte zum Ursprung und des starken Gefühls der Heimatverbundenheit.

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Schmökern in alten Fotos am Peiserhof | © Daniel Gollner / Urlaub am Bauernhof

35 Schilling kostete eine Nacht mit Vollpension am Peiserhof im Jahr 1964. Was einst als Versuch begann, ist heute fester Bestandteil im Betriebskonzept. Maria Strohmeier gilt als Pionierin der Sommerfrische, schließlich zählt sie mit ihrem Konzept als das erste Urlaub am Bauernhof-Mitglied. Seitdem hat sich vieles verändert, eines jedoch ist stets gleichgeblieben: Der Idealismus und die Herzlichkeit, mit der die Familie über Generationen hinweg Gäste empfängt und sie am bäuerlichen Leben teilhaben lässt. „Mein Mann Hans und ich wurden anfangs für unsere Idee, Zimmer zu vermieten, belächelt. Wer soll schon hierher nach Eibiswald kommen wollen? Das fragten die Menschen hinter vorgehaltener Hand, doch Maria hielt an ihrem Plan fest, baute neben der schweren Arbeit am Hof beharrlich die Zimmer aus, dekorierte liebevoll Haus, Garten und musste nicht lange warten, bis die ersten neugieren Städter am Land eintrafen. „Damals hatten wir die Sanitäranlagen noch am Gang, erst im Laufe der Jahre wurden die Bäder innerhalb der einzelnen Zimmer installiert.“ Maria war Wirtin, Bäuerin, Mutter und Hausfrau in einem und das in jeder Sekunde, in der sie nicht der Schlaf übermannte. „Natürlich war ich sehr oft müde.“ Dennoch würde sie heute felsenfest überzeugt alles wieder so machen: „Jeden einzelnen Handgriff.“

Weltmeister im Weinanbau

Die Arbeit am Peiserhof ist selten enden wollend, es gibt immer etwas zu tun. Doch wer seinen Beruf als Berufung sieht, dem macht das nichts aus. Dieser Meinung ist auch Marias Sohn Josef, welcher mit Frau Christa nunmehr den Hof führt. „Bei uns ziehen alle an einem Strang. Das ist das Herz des Bauerntums: Zuerst schaut ein jeder auf seinen Betrieb, erst dann auf sich selbst. Wir arbeiten zum einen für unseren Lebensunterhalt, zum anderen bereits für die nächste Generation.“ Neben der Vermietung zählt der Weinbau zur großen Leidenschaft der ganzen Familie. Was sein Vater Hans einst begann, führt Josef mit Erfolg weiter. Viele Auszeichnungen konnte die Familie bereits nach Hause holen, am meisten erfüllte sie der AWC Sieg 2019 mit Stolz: „Das ist die größte offiziell anerkannte Weinbewertung der Welt. 12.617 eingereichte Weine aus 42 Ländern der Welt stellten sich dabei dem internationalen Vergleich. Mittendrin wurde unser K&M Infinitum im Wiener Rathaus in seiner Kategorie zum Weltmeister gekürt.“ Solche Momente geben den Strohmeiers die Kraft zum Weitermachen.

Gesicherte Nachfolge

Angst, dass der Hof auseinanderbricht, die braucht am Peiserhof ohnehin keiner zu haben, die Jugend steht bereits in den Startlöchern. Michael Strohmeier, Sohn von Christa und Josef vertritt bereits die dritte Generation. Er möchte in die Fußstapfen von Vater und Großvater treten, hat dafür bereits die passende, schulische Ausbildung als Weinbau- und Kellermeister in Silberberg erfolgreich absolviert und hilft tatkräftig mit. Ihm zur Seite steht Frau Karin sowie die zwei gemeinsamen Kinder, Wirbelwind Tobias und Sonnenschein Leonie.

Dankbarkeit für die Heimat

Zufrieden und dankbar kann Oma Maria auf das mühsam von Hand geschaffene Lebenswerk zurückblicken: „Heute bin ich eine alte Frau, hatte ein erfülltes Leben, bin sehr glücklich.“ In mehreren Fotoalben hat sie die schönsten Augenblicke gesammelt, einige davon rühren sie in manch ruhiger Minute zu Tränen. „Mein Mann verstand es immer, mit den Urlaubern zu scherzen. Er nahm sie überall hin mit, zeigte ihnen die Arbeit auf unserem Bauernhof.“ Große Weltreisen, die konnten sich die beiden nicht leisten, da die Zeit schlicht fehlte. „Als wir mit dem Weinbau starteten, reiste Hans mit einigen Weinbaukollegen zu Lehrzwecken nach Ecuador. Als er heimkehrte, ließ er in der Hofeinfahrt seine Koffer fallen, kniete auf die Erde nieder und sprach: „Vergelt‘s Gott, dass du uns diesen Ort als Heimat geschenkt hast.“ Diese tiefe Dankbarkeit tragen am Peiserhof alle im Herzen. Und all jene, die Jahr für Jahr den Weg hierher einschlagen, wissen um dieses Gefühl Bescheid. Weil es essentiell ist. Weil es schlichtweg „Leben“ bedeutet.

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Sabine Ertl
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