"Unser Ziel ist, dass unsere Gäste die Vogerl wieder singen hören"

Hofgeschichten, 09.11.2017, Eva Krallinger-Gruber

„Kommt’s her, ich muss euch was zeigen“, sagt Bernhard und hält uns einen mit Wasser gefüllten Luftballon entgegen. Als wir nahe genug sind, lässt er die Offnung los und gönnt uns an dem heißen Tag eine kleine Abkühlung. Wir sind am Samerhof in Mariapfarr im Salzburger Lungau angekommen. Und es kommt uns vor, als wäre die Zeit stehengeblieben.

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Landschaft, Samerhof in Mariapfarr, Salzburger Lungau | © Urlaub am Bauernhof Salzburger Land / Matthias Gruber

Es ist das Reich der Familie Moser. Seit dem 16. Jahrhundert wird der Erbhof an die nächsten Generationen weitergegeben. Franz Josef und Christina sind die Bauersleut, die den Samerhof seit 2007 bewirtschaften. Mit dabei sind die drei Söhne Leonhard, Thomas und Bernhard, der Älteste 13 und dann immer vier Jahre Abstand dazwischen.

In der Küche setzen wir uns kurz und Christina bringt uns als „eine kleine Stärkung“ einen Zwetschkenfleck und eine heiße Tasse Kaffee. Sie selber ist von einem kleinen Bauernhof in der Nähe von Salzburg in den Lungau gekommen. Was ihr aufgefallen ist? Im Lungau gibt es keine Ampel, keine Leuchtreklamen blinken am Straßenrand und wollen die Aufmerksamkeit der Autofahrer auf sich ziehen. „Im Lungau kommt man wirklich runter, weil es keine Ablenkungen gibt“, sagt Christina.

Dann blickt sie auf die Uhr und nimmt uns mit auf den Reitplatz, wo Julia gerade mit Urlaub am Bauernhof-Gästen Traben übt. Der Pferdeplatz komme richtig gut an, erzählt Franz Josef, der jetzt auch zu uns gestoßen ist. Für die Gäste ist es ein idealer Anreiz, das Reiten einmal auszuprobieren.

Als Bauer kümmert er sich aber großteils um die 40 Kühe und 40 Kälber, von denen viele im Sommer auf der Alm sind. Auf die Tradition am Hof ist er stolz, damit diese noch lange weitergeht, gehört aber auch investiert und erneuert. So hat er, gemeinsam mit Christina, gleich bei der Übernahme des Hofes einen neuen Stall für die Rinder gebaut. Der ist so groß, dass sogar eine Kegelbahn mit hineinpasst. „Das Schlechtwetter-Programm“, lacht Franz Josef. Übrigens: Am Samerhofer werden unter anderem die berühmten Lungauer Eachtlinge, die regionalen Kartoffeln, angebaut und ab Hof verkauft.

Thomas und Bernhard kommen vorbei. Die beiden Brüder zeigen uns ihr Reich - den Spielplatz, der am Haus anschließt. Der Samerhof ist ein Baby- und Kinderbauernhof. Das bedeutet, dass Gitterbetten, Flaschenwärmer und Wickelauflagen selbstverständlich sind. Und natürlich der Spielplatz mit Rutsche, Schaukel, Kletterseil, überdachtem Tischtennis-Tisch, Baumhaus und Sandkasten. Die Terrasse liegt etwas erhöht über dem Spielplatz und erlaubt urlaubenden Eltern, sich dort zu entspannen, ohne den Blick von ihren Kindern zu wenden. Familien sind es, die am häufigsten am Samerhof urlauben.

Bei der Vermietung hat Christina den Hut auf. Und sie mag es gern, wenn sich die Gäste kennenlernen. Deswegen wird im Sommer mindestens einmal die Woche auf der Alm ein Lagerfeuer gemacht und Würstel gegrillt. „Da stellen sich die Leute zusammen und lernen sich bei einem Bier zwanglos kennen.“ Am nächsten Tag grüßt man sich am Frühstückstisch schon ganz anders, wenn man sich mit der Bio-Kost vom eigenen Hof für den Tag stärkt. Oft verbringen große Familien ihren Urlaub gesammelt am Samerhof. „Darauf sind wir spezialisiert“, erzählt Christina. In den sechs Ferienwohnung und den beiden Doppelzimmer ist für drei Generationen ausreichend Platz, ohne dass den Gästen die Decke auf den Kopf fällt.

Langweilig wird es im Lungau aber sowieso nie. Der Samerhof ist ein Partner der Lungau Card. Die Bonuskarte, die für Gäste kostenlos zur Verfügung gestellt wird, ermöglicht viele Ausflüge in der Region zu vergünstigten Preisen oder gar kostenlos. Auskunft über Wanderrouten können sich die Gäste auch bei Christina selbst holen: „Wenn es die Zeit zulässt, testen wir Wanderrouten in der Umgebung und schauen, für wen die Wanderungen passend wären. Ob man mit dem Kinderwagen fahren kann oder wie anstrengend der Weg ist“, erzählt die Bäuerin. Wenn die Gäste dann im Wald unterwegs sind, sind Christina und Franz Josef ihrem Ziel schon sehr nahe: „Wir wollen, dass unsere Gäste die Vogerl wieder singen hören. Dass sie sich die Zeit nehmen und selber wieder zu Kindern werden und die Natur entdecken. Denn diese ist der beste Seelenklemptner.“

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Eva Krallinger-Gruber
fraeuleinflora.at, 18 Artikel
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