Gebrauchsanweisung für Almhütten Teil 5: Respekt vor Tieren auf der Alm

Almgeschichten, 13.07.2022, Notburga Samrock

Stell dir vor…

Du machst eine Almwanderung und so nach und nach kommen Dir 1.714 Pferde, 45.262 Rinder, 14.981 Schafe und 1.696 Ziegen entgegen. Nein, nein, kein Horror, sondern nur die Zahlen der Tiere, die in der Sommerzeit Jahr für Jahr auf ca. 1800 Kärntner Almen aufgetrieben werden. Also wirst Du nicht allen zugleich, aber sicher einigen begegnen.

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Kuh mit Blume im Maul | © Urlaub am Bauernhof Kärnten

Der Almbauer bittet um Respekt

Es gibt klar definierte Verhaltensregeln für Almwanderer und Almhüttenurlauber über den Umgang mit Weidevieh. Bevor ich näher auf diese eingehe, habe ich mir einen Fachmann für das Almvieh, Sepp Obweger, den Obmann des Kärntner Almwirtschaftsvereines, in mein heutiges „Almboot“ geholt. Der Almwirtschaftsverein ist die freiwillige Interessensvertretung der Almbauern und unterstützt die Almbauern bei der Bewirtschaftung ihrer Almen. Was ist für Sepp, der selbst engagierter Almbewirtschafter ist, in diesem Zusammenhang besonders wichtig?

Er sagt: „Ich bitte die Almwanderer und Almhüttenbewohner in erster Linie um Respekt vor den Tieren und den Menschen, die mit den Tieren arbeiten. Damit ist eigentlich schon alles im guten Bereich! Die zehn Verhaltensregeln, die erarbeitet wurden, beinhalten fast alles, was man beachten muss. Ich persönlich habe noch ein paar ganz spezielle Anliegen. Verlass die Alm so, wie Du sie wieder vorfinden willst, also ohne Mist. Das gilt auch für den Hundekot. Sammle ihn sorgfältig ein, denn diese Reste am Gras können für das Weidevieh sehr gefährlich werden. Weidetiere sind keine Streicheltiere, sie haben auch ihre Ruhezeiten, können von vorherigen Erlebnissen mit Mensch und Tier schon gereizt sein, Mutterkühe sehen in fremden Personen und Hunden eine Bedrohung ihrer Kälbchen. 95 % aller Konflikte mit Weidetieren und Wanderern sind auf solche mit Mutterkühen und Wanderern mit Hunden zurückzuführen. Auch wenn Dir manche Weidetiere als besonders zutraulich erscheinen, verlass Dich lieber nicht drauf, halte Abstand!“

Die zehn Verhaltensregeln für den Umgang mit Weidevieh

1) Kontakt zum Weidevieh vermeiden, Tiere nicht füttern, sicheren Abstand halten!

2) Weidevieh nicht erschrecken, ruhig verhalten!

3) Begegnung mit Mutterkühen vermeiden, Mutterkühe beschützen ihre Kälber.

4) Hunde immer unter Kontrolle halten und an der kurzen Leine führen. Ist ein Angriff durch das Weidetier abzusehen, sofort ableinen!

5) Wanderwege auf Almen und Weiden möglichst nicht verlassen!

6) Wenn Weidevieh den Weg versperrt, mit möglichst großem Abstand umgehen!

7) Beim Herannahen von Weidevieh ruhig bleiben, ihm nicht den Rücken zukehren, den Tieren ausweichen.

8) Schon beim ersten Anzeichen von Unruhe der Tiere Weidefläche zügig verlassen.

9) Zäune sind zu beachten. Falls es ein Tor gibt, dieses nutzen und danach wieder gut schließen. Vorher oder nachher die Weide zügig queren.

10) Begegne den hier arbeitenden Menschen, der Natur und den Tieren mit Respekt!

 

Klingt alles sehr plausibel für Dich? Sehr gut. Die Verhaltensregeln gibt es auch unter www.sichere-almen.at zum Herunterladen. Dort sind sie noch anschaulich bebildert und Du findest zum Thema noch andere Informationen

Auf der Alm gibt es auch wilde Tiere!

Auf der Alm und rund um Deine Almhütte gibt es natürlich neben den Haus- und Nutztieren auch ungezählte Arten von freilebenden Tieren. Denk nur an die possierlichen Murmeltiere in manchen Gegenden, an Mäuslein, Hasen, Rehlein, Füchse, seltene Vögel. Bitte, erfreue Dich an deren Anblick (schön leise sein, liebe Almbesucher!), aber lass sie um Gottes Willen in Ruhe, störe sie nicht. Füttere sie nicht, es geht ihnen ohne Dein Zutun sehr gut. Und halte Deinen Hund streng an der Leine, denn der kann diese meine Warnungen nicht lesen.

Wie Du sicher weißt, gibt es jetzt auf den Almen auch „böse“ Wölfe und Bären, die den Nutztieren, und da vor allem den Schafen, arg zusetzen. Sollte der höchst unwahrscheinliche Fall eintreten, dass Du einen Wolf oder Bären zu Gesicht bekommst, vor allem Ruhe bewahren! Auf keinen Fall davonrennen, sondern stehen bleiben und laute Töne von Dir geben, wobei Du Deinen Hund sowieso an der Leine hast. Das wilde Tier trollt sich dann ganz von selbst. Übrigens: Die Jäger nennen das „Wild vergrämen“.

Noch ein Tipp von Sepp Obweger, dem Chef des Almwirtschaftsvereines: „Gerade wegen des Vorhandenseins der genannten Raubtiere muss man beim Betreten einer Weide für Nutztierherden und dem Umgang mit ihnen noch sensibler sein. Du weißt nicht, was diese Herde schon „erlebt“ hat, denn Du kannst so als fremdes Lebewesen automatisch zu einer vermeintlichen Bedrohung für sie werden.“

Alles viel zu streng für Dich?

Alle diese Tipps scheinen Dir zu ernst, mit zu viel erhobenem Zeigefinger? Du magst ja Recht haben, aber Du wirst mir bei genauerer Betrachtung sicher zustimmen: Auch aus sicherer Entfernung und bei richtigem Verhalten werden Dir Almtiere große Freude bereiten, es muss ja nicht unbedingt ein Selfie mit ihnen sein.

Notburga Samrock
Almhüttenexpertin, 6 Artikel
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