Gebrauchsanweisung für Almhütten Teil 8: Saisonverlängerung auf der Alm

Almgeschichten, 20.09.2022, Notburga Samrock

Stell dir vor…

Du hast im heißen Sommer von einem Almhüttenurlaub geträumt. Weil es dort kühler gewesen wäre, weil Du endlich in der Badehose das Almbächlein nutzen wolltest? Und dann das: Nichts zu kriegen, alle Hütten ausgebucht! Schön hatten es nur die anderen, Du warst sehr enttäuscht. Jetzt, ein paar Wochen später, möchte ich Dich anregen, über Alternativen nachzudenken.

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Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Herbstzeit ist Almzeit!

Wenn Du schulpflichtige Kinder hast, dann sind meine Tipps natürlich nur bedingt brauchbar. Aber selbst dann gibt es Herbstferien, Weihnachtsferien, Semesterferien, Osterferien, lange Wochenenden. Vielleicht geht sich was aus für Dich und die Deinen, so zwischendurch eben. Ich will natürlich nicht verschweigen, dass es bei „besonderen“ Almhüttenterminen auch Vor- und Nachteile gibt. Einerseits, was die Hütten selbst betrifft, vor allem ihre Lage, andererseits aber auch Deine Wünsche und Vorlieben. Schau es Dir einfach an.

Machen wir zuerst Herbstferien. Mit der Badehose auf der Alm wird es da natürlich nichts. Aber wenn Du jemals eine goldene herbstliche Almwiese gesehen hast mit den brennenden Lärchenbäumen drüber, Dir die Grantn (pardon: Preiselbeeren!) fast in den Mund wachsen, wenn Du hoch über dem Nebel der Täler in die wärmende Sonne blinzelst, dann wirst Du ein überzeugter Herbsturlauber werden. Naturgemäß kann Dich im Spätherbst der eine oder andere Schneefall überraschen, darauf musst und kannst Du dich vorbereiten. Eine herbstliche Almhütte ist bei dem Wunsch nach Ruhe nicht zu übertreffen. Setzt allerdings voraus, dass Du das magst: Kein Glockengeläute, keine anderen Wanderer, kein offenes Almgasthaus in der Nähe, also absolute Ruhe - und mit allem, vom Essen bis zu den Wandertipps, ist echte Selbstversorgung angesagt.

Winterurlaub der anderen Art

Wandern im glitzernden Winterwonderland

Auch wenn in manchen Jahren der Schnee zur Winterszeit nicht so richtig kommen will oder Du sowieso nicht Ski fahren willst, gibt es genügend Almhütten, in und bei denen Du einen speziellen Winterurlaub verbringen kannst. In jeder winterfesten Almhütte gibt es herrliche Gelegenheiten, sich es so richtig warm und kuschelig einzuigeln, ganz abgesehen von der Sauna, die es auch vielerorts gibt. Allein das alles ist schon ein Erlebnis für sich. Außerdem kann man bei fast allen Almhütten herrliche Fußwanderungen machen. Diese Wege brauchen natürlich geeignetes Schuhwerk. Feine Stiefelchen, aber auch Skischuhe sind ungeeignet. Ein ganz besonderer Spaß ist das Spazierengehen mit „Schneeschuhen“, heute TUBBS genannt. In vielen Almhütten warten sie auch schon auf Dich, man lernt das Gehen damit ganz schnell. Ebenso ist oft ein kleiner Schlitten vorhanden, ein Hügel für den großen Spaß lässt sich auch meistens finden. Ganz wichtig: Bevor Du eine „skilose“ Almhütte buchst, erkundige Dich jeweils ganz genau, was Du dort unternehmen kannst und was in der Hütte vorhanden ist.

Ski total - von der Hüttentür zur Piste

Skihütten gibt`s nicht wie Sand am Meer, aber immerhin viele, sehr viele. Von direkter Lage an der Piste in großen und kleinen Skigebieten bis hin zum Shuttle in das Deinem Berg gegenüberliegende Skigebiet ist alles vorhanden. Es kommt jetzt nur darauf an, was Du willst oder brauchst. Überlege Dir deinen Anspruch und Bedarf genau, von der Lage der Hütte über ihre Größe, Erreichbarkeit bis zu der Personenzahl, die in der Hütte nicht nur schlafen, sondern auch gemütlich wohnen soll. Da spielt dann auch die Ausstattung der Hütte eine große Rolle. Schihütten sind sehr begehrt. Damit es nicht zum oben genannten Badehosenproblem kommt, kann ich Dir (leider) nur empfehlen,

möglichst frühzeitig zu buchen. Weil wird gerade noch bei der Badehose sind: Wenn Du von der 1800 m hoch gelegenen Alm täglich in das Thermalbad ins Tal fahren willst, bist Du auf der Alm falsch. Ehrlich, ich habe den sehr großen PKW bei einer dieser Fahrten im tiefen Schnee stecken gesehen, ein Riesentraktor musste ausrücken. War mäßig spannend für die Beteiligten.

Ein ganz besonderer Fall für Winterhütten ist dann die Weihnachtszeit. Ich denke, dass es kaum eine stimmungsvollere Art gibt, Weihnachten zu feiern. Du kannst in vielen Fällen Deinen Christbaum im Wald des Almhüttenvermieters holen oder ihn Dir bringen lassen, ihn selbst schmücken oder schon vom „Christkind“ aufputzen lassen, alles ist möglich. Aber das geht leider nicht in allen Hütten, weil viele im Winter gar nicht erreichbar sind. Aber frage einfach nach.

Almzeit für vielseitige Almhüttenurlauber

Sonnenskilauf vom Feinsten

Eine Zeit auf der Alm, die ich besonders interessant finde, ist die Vorfrühlingszeit, also etwa um Ostern herum. In vielen Skigebieten herrschen noch recht passable Bedingungen für den Wintersport, meist sind das solche in der Kategorie „Sonnenskilauf“, weil es keine eisigen Zeiten mehr gibt.  Aber vielleicht blühen um Deine etwas tiefer gelegene Almhütte herum schon die ersten Blumen, etwa Schneerosen oder Soldanellen. Also ein zauberhafter Kontrast, den Du ja einmal ausprobieren könntest. Und die Ostereiersuche wahlweise im Schnee oder bei den Blumen ist dann das Tüpfelchen auf dem besonderen i.

Alle diese besonderen Zeiten auf Almhütten brauchen gute Vorbereitung, sowohl von Dir als auch von den Almhüttenvermietern. Bitte, erkundige Dich unbedingt vorher ganz genau, wie Deine ausgewählte Hütte zu benutzen ist. Denn erstens wollen Dir Deine Gastgeber eine schöne Zeit nach Deinen Wünschen bereiten und zweitens läuft es noch mehr als im Sommer bei jeder Hütte anders - jede Almhütte ist sozusagen eine Diva. So gibt es zum Beispiel Hütten, die im Winter nur mit dem Lift oder einem Skidoo zu erreichen sind, aber nicht zu Fuß oder mit einem Fahrzeug. Und das muss man als Gast eben wissen und auch akzeptieren, denn der Almhüttenurlaub soll Dir ja auch zu besonderen Zeiten gefallen.

Der goldene Tipp

Auf der Alm ins Neue Jahr!

Er soll heute den sogenannten Silvesterhütten gelten. Jeder hat schon einmal von Silvester auf einer Almhütte geträumt! Deshalb sind sie ja auch so begehrt und so unendlich viele davon gibt es ja leider nicht. Ich will Dir nicht raten, halt ein paar Jahre im Voraus zu buchen, weil dann könnte in der Zwischenzeit der interessierte Freundeskreis vielleicht schon in alle Winde zerstreut sein. Ich rate Dir aber, bei der Suche nach Deiner Silvesterhütte nicht aufzugeben und hartnäckig und flexibel zu bleiben. Erfahrungsgemäß findet sich im letzten Augenblick, etwa erst im November oder noch später, eine passende Almhütte. Warum wohl? Weil sich möglicherweise der interessierte Freundeskreis des vorigen Frühbuchers verflüchtigt hat, wer weiß das so genau? Es ist jedenfalls Deine Chance auf Silvesterfreuden.

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