Gebrauchsanweisung für Almhütten Teil 7: Wird es „ihm“ auf der Alm auch gefallen?

Almgeschichten, 30.08.2022, Notburga Samrock

Stell dir vor…

Du hast Deinen allerersten Almhüttenurlaub gebucht und bist ganz sicher, dass es Dir gefallen wird. Du willst natürlich in die schönste Zeit des Jahres auch Deinen Hund mitnehmen. Aber wird das auch „ihm“ gefallen, der vermutlich noch nie auf einer Alm und schon gar nicht in einer Almhütte war. Vielleicht helfen Dir ein paar Tipps, Deine möglichen Zweifel auszuräumen.

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Hund vor Picknick in der Wiese vor der Hütte | © Urlaub am Bauernhof Kärnten / Daniel Gollner

Ein gut eingespieltes Team auf der Alm

Wenn man selbst so wie ich keinen Hund hat und demzufolge auch nicht mit dem Tier umgehen kann, kann man auch keine praxisnahen Tipps geben. Deshalb habe ich mich mit Sonja Oberhuber auf einer Kärntner Alm getroffen, um sie darüber auszufragen, was man mit Hund auf einer Alm beachten sollte, damit alle glücklich sind: Almhüttenurlauber, sprich Hundehalter, Berg- und Almwanderer, Almbewirtschafter, die Almhüttenvermieter, die Kühe samt ihren Kälbern, die freilebenden Tiere auf der Alm und schließlich auch hundelose Gäste.

Sonja besitzt als Familienhund einen Border Collie, der von den Anlagen her ein Schafhütehund ist und den sie zu Hause in einem großen Haus mit einem großen Garten gut versorgen kann. Deshalb meine erste Frage an sie: „Nimmst Du und Deine Familie den Hund zu Deinen manchmal recht umfangreichen Berg- und Almwanderungen, aber etwa auch zum Almhüttenurlaub immer mit?“

Ohne langes Nachdenken sagt sie drauf: „Ja, eigentlich schon. Nur wenn ich weiß, dass Kletterpassagen vorkommen werden, bleibt er zu Hause. Das ist nichts für ihn. Ich muss dabei aber auch bedenken, wie lange er allein zu Hause sein kann. Wir sind inzwischen schon sehr gut aufeinander eingespielt, sodass es am Berg für alle gut und schön ist.“

Was ist die Voraussetzung, dass so etwas reibungslos klappt?  Sonja sagt: „Es braucht natürlich schon einiges dazu. Erstens müssen Mensch und Tier einige Grundkommandos beherrschen, denn ohne Disziplin geht gar nichts. Dann muss ich wissen, was ich meinem Tier zumuten kann. Die Wege müssen „hundetauglich“ sein, zum Beispiel ohne Kletterstellen. Nebenbei bemerkt: Vorsicht vor Auskünften über für Hunde geeignete Wege, vor allem von Menschen ohne Hund. Weiters muss ich wissen, wie lange ich meinen Hund mit mir nehmen kann, denn bekanntlich schlafen Hunde sehr viel. Ich muss ausreichend   l a n g e   Rasten einplanen. Indem ich meinen Begleiter intensiv beobachte, kann ich sehr viel lernen, um ihn nicht zu überfordern. Mit der Zeit wird man dann sozusagen ein gutes Wanderteam.“

Mein Hund (nicht) allein auf der Alm

Und wie hältst Du es mit den allgemeinen Empfehlungen, um nicht zu sagen Vorschriften zum Thema Hund und Alm? Sonja ist da sehr einsichtig: „Diese Verhaltensregeln sind sehr sinnvoll, vor allem, was das Weidevieh betrifft. Das Bundesministerium für Landwirtschaft und Tourismus gibt übrigens unter sichere-almen.at offiziell wertvolle Tipps dazu. Ich halte meinen Hund natürlich an der Leine, wobei ein ordentliches Brustgeschirr mit Tragegriff sicher am bequemsten ist. Wenn weit und breit nichts Menschliches und/oder Tierisches zu sehen ist, lasse ich ihn schon einmal ein bisschen frei.  Im geringsten Zweifelsfall bleibt er aber immer an der Leine. Sonst kann es möglicherweise, wie viele Beispiele zeigen, sehr ungut für Tiere, Menschen und Alm werden.“

Und weil wir gerade bei ungut sind: Was machst Du mit dem Hundekot? „Ich habe IMMER genügend biologisch abbaubare Gassi-Sackerln und ein klappbares Metallschäufelchen mit. Mit dem grabe ich an unauffälliger Stelle - nicht mitten in der Wiese - ein passendes, nicht zu kleines Loch, gebe das gebrauchte Sackerl hinein und mach das Loch wieder zu.“ Ganz schön umständlich, oder? „Nein, gar nicht, es geht ganz schnell. Erstens sind die Utensilien ja nicht schwer und zweitens gefährde ich so keine Weidetiere auf der Alm, denn Hundekot am Gras kann deren Gesundheit schwer beeinträchtigen.“ Bei dieser Gelegenheit kommen wir auch auf menschliche Exkremente zu sprechen. „Hier gilt genau das Gleiche“, sagt Sonja, „nur, dass auch noch das Klopapier ins Loch muss.“ Sonja hat diese Vorgehensweise in der Wüste in den USA gesehen und ich in der Mongolei, hat auf beiden Kontinenten bestens funktioniert.  Übrigens: Hundesackerl bei der Hütte gehören gesammelt und dann zum Restmüll, so ferne es bei der jeweiligen Hütte so vorgesehen ist. Frage bitte einfach nach.

Jetzt geht es in die Almhütte

Und was nimmst Du für Deinen Hund in die Almhütte mit? Sonja zählt auf: „Das gewohnte Hundebett, ausreichend gewohntes Futter, Wasser- und Futterschüssel, Leckerlis, ausreichend Gassi-Sackerln, nicht zu knapp Hundespielzeug, damit kein Hund Wände oder Mobiliar beschädigt - was übrigens mit einem Mineralstoffmangel des Hundes zu tun haben könnte.“  Ich ergänze: Wenn Dein Hund sich vor der Hütte bewegt, ist eine lange Leine sehr sinnvoll. Das habe ich schon bei vielen Almhütten gesehen, die Tiere gewöhnen sich sehr schnell daran. Selbst ein Zaun hindert viele Hunde nicht dabei, einfach zu Verschwinden. Ein entlaufener Hund auf der Alm kann sehr nervenaufreibend werden.

Und wie findet Sonja die Tatsache, dass sie für den Aufenthalt ihres Hundes in der Almhütte einen Hundeaufenthalts-Tarif bezahlen muss? Sie sagt dazu: „Ja, das ist o. k., solange es in einem Rahmen bleibt, den ich für angemessen halte, denn was nichts kostet, ist wohl eher nichts wert. Damit wird auch dokumentiert, dass es sich bei meinem Hund um ein eigenes Lebewesen handelt, das sich in der Almhütte auch wohl fühlen soll. Dafür darf ich aber auch verlangen, dass für meinen Hund gewisse Dinge vorhanden sind, wie zum Beispiel eigene strapazierfähige Handtücher oder eventuell Futter- und Wassergefäße.“

Womit wir beim goldenen Tipp wären!

Kläre bei jeder Hüttenanmietung, ob überhaupt Hunde mitgebracht werden können. Das ist in den meisten Hütten sehr gut möglich. Verschweige auch nicht die Größe Deines Hundes, denn in sehr kleinen Hütten kann ein großes Tier zum Problem werden. Und sage auch ehrlich die Zahl Deiner Tiere, denn ich habe schon Hundebesitzer mit fünf unangemeldeten Tieren anreisen gesehen. Das ist schlicht unfair, dem Hüttenbesitzer, aber auch den Hunden gegenüber. Kläre auch unbedingt, was für Deinen Hund in der Hütte vorhanden ist. Wenn Du das alles beachtest, wird Dein Almhüttenaufenthalt in der schönsten Zeit des Jahres zur reinsten Freude für Mensch und Tier werden.

Notburga Samrock
Almhüttenexpertin, 9 Artikel
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